Kann Breuninger-Versuch Erkenntnisse schaffen?

Bereits am 17. Dezember hatte das Manager Magazin gemeldet, dass die Breuninger Stiftung einen Feldversuch zum Grundeinkommen in Deutschland finanzieren will. Je 100 Menschen in Stuttgart und in einem noch nicht bekanntgegebenen Ort in Brandenburg sollen für ein bis zwei Jahre ein Grundeinkommen erhalten.

Am Freitag hat das Online-Radio Detektor.fm André Presse zur Umsetzung des Versuchs befragt. Er ist an der Universität Karlsruhe wissenschaftlicher Mitarbeiter von DM-Gründer und Professor Götz Werner und kümmert sich um die Planung und Umsetzung dieser Feldstudie.

Nach André Presse soll wie bei bisherigen Versuchen Geld an Teilnehmer ausgeschüttet werden – diesmal nur nicht in einem armen Land, sondern in Deutschland. Ging es in Namibia um 9 Euro pro Person und Monat und in Brasilien um 15 Euro, so sollen hier 800 Euro ausgezahlt werden.

Open Space Veranstaltung für die Kleinen. (Foto: Deutsche Fotothek)

Begleitet werden soll die Studie von Open Space Veranstaltungen. Presse meint damit einen Platz für die Versuchsteilnehmer, um sich zu treffen, auszutauschen und gemeinsam kreativ tätig zu werden. Die Forschergruppe um Götz Werner forciert hier also, was eine Gesellschaft mit Grundeinkommen bestimmt selbst auf die Beine stellen würde.

Menschen schaffen sich selbst sinnvolle Arbeit – aber eben nur diejenigen, die keine haben. Die Versuchsteilnehmer mit Job werden, auch wenn sie unzufrieden sind, ihre Stellen wahrscheinlich nicht kündigen, um eine erfüllende Beschäftigung zu finden. Denn nach spätestens zwei Jahren müssen sie ihr Geld ja wieder komplett selbst verdienen.

Das ist es woran alle Versuche kranken und daran, dass die andere Hälfte fehlt: Die Refinanzierung. Auch nach Stuttgart und nach Brandenburg wird viel Geld fließen, ohne dass direkt etwas davon zurückkommt. Klar geht es den Beziehern und ihrem Umfeld dadurch besser.

Bleibt zu hoffen, dass es Presse und den anderen am Projekt beteiligten gelingt, wenigstens die Möglichkeiten des Experiments auszuschöpfen und eine repräsentative Auswahl von Versuchsteilnehmern zu finden. Hochmotivierte Grundeinkommensbefürworter, die sich selbst auf eine Teilnahme bewerben, wie Presse einen möglichen Weg beschreibt, sind da sicher nicht der richtige Weg.

2 Antworten auf „Kann Breuninger-Versuch Erkenntnisse schaffen?“

  1. Eine solche Studie ist natürlich nicht repräsentativ. Soweit ich mich erinnere beginnt Repräsentativität ab 1300 Teilnehmern, gleichverteilt, in dem Fall wohl ordinalskaliert in einer abgeschlossenen Umwelt unter Beachtung indirekter Interviewmethiden und einem maximalen Fehlerfaktor von 3. Alles Punkte die nicht eingehalten werden können – und die relativ wenig mit dem Leben zu tun haben. Bundestagsumfragen sind ja auch nicht immer die Wucht.
    Der Versuch erfüllt deshalb nur eine symbolische Funktion um uns vielleicht ein wenig über uns selbst hinweg zu helfen. In der Weimarer Republik und in der DDR gab es ein Grundrecht auf Arbeit. Beide sind auf ihre ganz eigene Art gescheitert. Einmal weil keine Arbeit vorhanden war und soziale Unruhen die Mitte aufrieben. Zweimal weil Arbeit nichts mit Selbstbestimmung zu tun hatte. Menschen wurden in Betriebe geschickt als Beschäftigungsmaßnahme. Die Arbeit machte keinen Sinn, entsprechend gering war die Motivation und die Leistungsfähigkeit der Unternehmen. Zwar hatte jeder “Arbeit”, aber wo das endete, wissen wir.
    Deutschland weist zu beiden Seiten Ähnlichkeiten auf. Wir zwingen Menschen in Arbeit. Und dann bezahlen wir auch noch Menschen, die diese unnötige Arbeit organisieren. Nicht weil es Grundrecht ist, sondern weil wir meinen, Menschen erziehen zu müssen. Doch gerade das Bewusstsein nicht für sich selbst verantwortlich zu sein, bremst jeden Tag Millionen Menschen aus. Wir schädigen jene, die unseren Respekt verdient haben, um einige zu strafen, denen wir mit Missachtung begegnen.
    Grundeinkommen wäre nach meiner Meinung nach eine Marktbereinigung zu Gunsten der Menschlichkeit, die in technokratischen Paragraphenwälzern zerquetscht wird. Nicht regelt sich so gut selbst, wie die Natur. Und wir können uns ja mal umschauen, wohin uns die Natur bisher gebracht hat 🙂

    1. Das mit der Repräsentativität ist bei 200 Leuten schon ganz in Ordnung, wenn die Auswahl gut gemacht wird.

      Im Gegensatz zu dieser Reliabilität ist jedoch, denke ich, die Validität das Problem. Der Versuchsaufbau entspricht einfach nicht genug den Gegebenheiten in einem realen Staat mit realem bedingungslosen Grundeinkommen für alle.

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